Neufassung der MaRik: Anforderung an eine angemessene Risikokultur

 

27. Oktober 2017
Veröffentlichung der Neufassung der MaRik: Anforderung an eine angemessene Risikokultur:

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank die Neufassung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)verfasst und wurde jetzt im Rundschreiben veröffentlicht. Im MaRisk Modul AT 3 wurde auf Seite 9 folgender Satz neu eingefügt:

[Zur Verantwortung der Geschäftsleiter] zählt auch die Entwicklung, Förderung und Integration einer angemessenen Risikokultur innerhalb des Instituts und der Gruppe.

27. Oktober 2017
Raimund Röseler, BaFin erläutert im ►
Anschreiben an die Verbände auf Seite 3/4:

" [...]Mir ist aber wichtig, dass sich die Institute zukünftig stärker mit dieser Thematik [Risikokultur] auseinandersetzen  und für sich definieren, welche Geschäfte, Verhaltensweisen und Praktiken letztlich als wünschenswert angesehen werden und welche nicht. Weiterhin wird es vor allem an den Führungsebenen in den Instituten sein, die Mitarbeiter auf gemeinsame Werte und Praktiken einzuschwören und den kritischen Dialog über die mit den Geschäften verbundenen Risiken im Institut zu fördern. Der in AT 5 geforderte Verhaltenskodex kann zwar einen wertvollen Beitrag dazu liefern, dass tatsächlich nur solche Geschäfte abgeschlossen und nur solche Geschäftspraktiken an den Tag gelegt werden, die von der Geschäftsleitung als zulässig bzw. wünschenswert deklariert wurden, dies allein gewährleistet jedoch noch keine angemessene Risikokultur. Das eigene „Vorleben“ dessen, was man als Geschäftsleitung als angemessene Risikokultur definiert hat, Mitarbeiter in die Pflicht zu nehmen, sich an diesen definierten Werten zu orientieren und entsprechende Anreize zu setzen, die beileibe nicht nur monetär sein sollten, dies werden die Aufgaben sein, auf die sich die Institute bei der Stärkung der Risikokultur werden fokussieren müssen."

Was aber ist eine „angemessene Risikokultur“? 

Risikokultur wird in der ►Erläuterung zu AT 3 Tz. 1 auf Seite 10 wie folgt beschreiben:

"Die Risikokultur beschreibt allgemein die Art und Weise, wie Mitarbeiter des Instituts im Rahmen ihrer Tätigkeit mit Risiken umgehen (sollen). Die Risikokultur soll die Identifizierung und den bewussten Umgang mit Risiken fördern und sicherstellen, dass Entscheidungsprozesse zu Ergebnissen führen, die auch unter Risikogesichtspunkten ausgewogenen sind. Kennzeichnend für eine angemessene Risikokultur ist vor allem das klare Bekenntnis der Geschäftsleitung zu risikoangemessenem Verhalten, die strikte Beachtung des durch die Geschäftsleitung kommunizierten Risikoappetits durch alle Mitarbeiter und die Ermöglichung und Förderung eines transparenten und offenen Dialogs innerhalb des Instituts zu risikorelevanten Fragen“.

 


Die  4 Indikatoren der BaFin für eine angemessne Risikokultur

Anhand der beiden zugrunde liegenden Quellen: Finanzstabilitätsrat FSB (►Leitfaden zur Interaktion von Aufsicht und Finanzinstituten hinsichtlich der Risikokultur) und Basler Ausschuss für Bankenaufsicht BCBS  (Corporate governance principles for banks 2015 ) hat die BaFin vier Indikatoren für eine angemessene Risikokultur entwickelt. Diese sollen allerdings nicht abschließend sein und sind auch nicht als Checkliste für die Aufsicht zu verstehen. Sie finden sich auch in den Baseler Grundsätzen wieder:

  1. die Leitungskultur (Tone from the Top),
     
  2. Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter (Accountability)
     
  3. offene Kommunikation und kritischer Dialog (Effective Communication and Challenge) sowie
     
  4. angemessene Anreizstrukturen (Incentives)."
     

Was fordert die Politik?

Die Politik geht in die gleiche Richtung, was die Rede von Christine Lagarde, Managing Direktor des IWF vom  6. Mai 2015 ziegt. In ihrer Rede zur Veranstaltung "Finance and Society" vom Institute for New Economic Thinking, in Washington DC:
"Regulierung allein kann das Problem nicht lösen. Ob etwas richtig oder falsch ist, kann nicht einfach darauf reduziert werden, ob es gesetzlich zulässig ist oder nicht. Was benötigt wird, ist eine Kultur, die Mitarbeiter dazu veranlasst, das Richtige zu tun, auch wenn niemand zusieht. Letztlich brauchen wir mehr individuelle Verantwortung. Gute Corporate Governance wird durch die Ethik eines jeden Einzelnen umgesetzt. Dabei geht es darum, über das "regelbasierte" Verhalten hinaus auf "wertebasiertes" Verhalten zu verweisen. Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf die Förderung der individuellen Integrität. In der aristotelischen Tradition sind Tugenden von der Gewohnheit geformt und entwickeln gutes Verhalten im Laufe der Zeit." Mehr zur Rede

 


Die Begriffe Risikokultur und Risikoappetit zeigen, dass es um viel mehr geht, als um Zahlen, Daten oder Fakten. Die Anforderungen richten sich an die Menschen selbst. An ihre  inneren Haltungen und Einstellungen im Umgang mit dem Risiko. Risikokennziffern werden von Computern berechnet, die Risikokultur aber wird vom Management und allen Angestellten gemeinsam kultiviert.


Was ist aus der Philosophie zu entnehmen?

Sunzi und die 4 Key Indikatoren der angemessenen Risikokultur

Was hat Sunzi (auch: Sun-Tsu), der legendäre Verfasser der strategischen Abhandlung "Die Kunst des Krieges", mit "angemessener Risikokultur" zu tun? Erfahren Sie mehr dazu im Block: ►Sunzi und die 4 Key Indikatoren der angemessenen Risikokultur
 


 

 

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